Aufruf an Mitarbeiterinnen

Schreibst Du für die Emma, erklärst Du der Terre des Femmes-Geschäftsführung, was Hashtags sind, oder bist Du vielleicht sogar, nunja, wie soll man das sagen: unglücklich in die Position gerutscht, Beatrix von Storch gelegentlich den Koffer zu tragen? Dann – first things first – mein Beileid.

Aber verzage nicht: wenn der Kampf für die gerechte Sache Spaß macht, läuft was schief. Mit 2000 Gleichgesinnten am Markusfeld zu Grillen, Bier zu trinken, und sich zu lustigen Plakaten zu beglückwünschen ist weit überschätzt. Wenn Du jeden Tag von der Boshaftigkeit und Inkompetenz um Dich herum überrascht wirst, bist Du dagegen an genau dem Ort, an dem Du etwas bewegen kannst.

Ganz ideal ist das natürlich nicht. Daher: denk’ immer auch an Dich selbst. Das Grundgesetz kann auch mal einen Tag lang jemand anders beschützen. Bevor Du verzweifelst zieh die Reisleine, renn in den Sonnenuntergang und dreh Dich nicht noch einmal um.

Auch wird es Dich vielleicht aufmuntern zu wissen, dass Du nicht allein bist. Schon am ersten Tag haben uns drei Mitarbeiterinnen kontaktiert. Wenn es nicht gerad ein Vier-Augen-Gespräch ist, kannst Du Dir eigentlich sicher sein, dass andere am Tisch genauso denken, wie Du. Doch wenn Stellen vorrangig nach Linientreue vergeben werden, kann es leider sachdienlich sein, sich nicht aus der Deckung zu wagen.

Wir würden uns freuen, wenn Du unser kleines publizistisches Projekt unterstützt. Wir wissen von den Gräben, die sich der Redaktion auftun, und von den verzweifelten Versuchen junger Feministinnen, der selbstgerechten Bräsigkeit an den Fleischtöpfen Paroli zu bieten. Wenn Du uns Deine Eindrücke schildern willst, oder vielleicht die Rohfassung eines Artikels in den Händen hältst, der dann vor’m Druck doch noch entschärft wurde, dann schreib uns!

Auch hier sollte aber Dein Selbstschutz Vorrang haben. Hier einige Hinweise dazu:

– Verwende auf keinen Fall dienstliche Computer oder E-Mail Adressen, um uns zu kontaktieren. Du kannst in wenigen Minuten eine neue E-Mailadresse erstellen. Sicher sind Google Mail oder Protonmail. Verwende dazu Deinen privaten Computer oder Dein eigenes Telefon und nutze das Netz in der Uni, im Cafe, oder zuhause.

– Wenn es nicht notwendig ist, verzichte darauf, uns Deinen Namen zu nennen. Das E-Mail-Konto kannst Du mit einem beliebigen Pseudonym erstellen.

– Teile nur Informationen und Dokumente mit uns, die intern breit verfügbar sind.

– Du kannst intern gegen einen Misstand opponieren, oder Du kannst ihn uns mitteilen. Beides geht nicht.

– Keep your eyes on the horizon.

Wir versuchen, Dich bei allen Veröffentlichungen bestmöglich zu schützen. Wir werden unter keinen Umständen Daten mit den betroffenen Organisationen oder anderen Mitarbeitern teilen. Wir prüfen stetig, welche Daten noch notwendig sind, und löschen im Zweifelsfall lieber zu viel als zu wenig.

Du erreichst uns unter [email protected]


Die kritische Auseinandersetzung mit rechtspopulistischen Strömungen im Feminismus darf nicht zur Mißachtung der herausragenden Errungenschaften des Feminismus führen, und auch nicht zur Relativierung der immer noch bestehenden fundamentalen Ungerechtigkeiten, oder dem unermüdlichen Einsatz vieler fantastischer Frauen (und Männer) im Kampf gegen diese.

Falls Du Dich daher hier in Deinem Chauvismus bestärkt fühlen solltest, oder mich als Kronzeugin verwenden willst, hast Du schon wieder was nicht verstanden.

Außerdem: geh' Sterben!