Alice im #Nafriland

Es braucht wohl einiges, um den Polizeipräsidenten einer deutschen Großstadt als liebenswerten Bewahrer von Grundrechten und Realitätsbezug dastehen zu lassen. Alice Schwarzer schafft es im gemeinsamen Interview mit dem Amtsinhaber aus der Domstadt ganz leger.

Schwarzer hat lang die Grenzen der öffentlichen Debatte getestet um sich nun scheinbar sicher genug für offen ausländerfeindliche Sätze wie diesen zu fühlen:

Schwarzer: Algerier, Marokkaner oder Tunesier haben ja eigentlich gar nichts bei uns zu suchen. Köllner Stadt-Anzeiger

Viel spannender ist jedoch folgende Passage. Es ist der Versuch, den Fachmann als Kronzeugen für ihre These zu gewinnen, ‘der Migrant and sich’ sei ja quasi per Herkunft gewaltbereiter Intensivtäter:

Was mich interessieren würde, Herr Polizeipräsident: Gibt es eigentlich eine höhere Gewaltbereitschaft von Männern mit Migrationshintergrund gegen Polizistinnen?

Mathies: Nein. Köllner Stadt-Anzeiger

Ein wunderschönes Nein, das vermeintlich in seiner singulären Eindeutigkeit signalisiert, dass Schwarzer sich hier auf gefährliches Terrain wagt. Doch wie viele Männer vor und nach ihr bewiesen haben und beweisen werden, reicht ein Nein oft nicht, wenn der Adressat anderes gewohnt ist oder erwartet.

Es folgt ein tiefer Einblick in Schwarzers Id, mit einer Nacherzählung der stereotypen Gewaltfantasien, die ihr Weltbild beherrschen zu scheinen:

Schwarzer: Also, das nehme ich Ihnen nicht ab! Ich stelle mir so einen Araber vor, Mitte 20, und dann kommt eine junge Blondine in Uniform daher und will ihm Vorschriften machen. Der sagt doch: „Du kannst mich mal!“ Köllner Stadt-Anzeiger

Aber trotz der überwältigenden Faktenlage, wie chauvinistisch sich «Araber» in ihren geheimsten Fantasien benehmen, beharrt Mathies auf dem Primat der real existierenden Erfahrungen seiner Polizistinnen. Auch weitere Bemühungen Schwarzers, die Differenz zwischen seinem Wissen und ihren Vorurteilen als Fehler seiner Wahrnehmung zu erklären laufen in’s Nichts.

Die Überraschung Schwarzers liegt vielleicht darin begründet, dass sie es zuvor ohne Anstrengung schaffte, Mathis zum Kronzeugen ihrer aktuellen Lieblingstheorie zu machen. Laut dieser handelte es sich bei den in der Silvesternacht 20152016 in Köln marodierenden Banden nicht «nur» um durch Alkohol enthemmte Halbstarke mit Testosteron-Überschuss, oder um Kriminelle, die die Gunst der Stunde ausnutzten.

Nach Schwarzers These agierten die Täter von Köln nicht mit sexuellen Motiven oder aus Habgier, sondern aus kaltem, politischen Kalkül in einem lange geplanten Affront gegen die deutsche Rechtsstaatlichkeit:

Schwarzer: Nun, initiiert und organisiert durch eine Handvoll Leute hat sich an diesem Abend ein bestimmter Typ Mann – vor allem junge Algerier und Marokkaner – mit einem sehr patriarchalen Frauenbild, noch angeheizt vom politischen Islam, schwarmartig dazu verabredet, es den westlichen „Schlampen“ und deren Männern, diesen europäischen Schlappschwänzen, zu zeigen. Die wollten nicht einfach nur feiern oder mal ein bisschen ausgelassen sein – dafür geht an Silvester niemand auf den Bahnhofsvorplatz. Dieses zugige Eck ist ja gerade kein Ort zum Feiern. Nein! Es ging ihnen um Trouble, es ging um sexuelle Gewalt gegen Frauen als „Herrenrecht“, um die Jagd auf Frauen, um ihre Vertreibung aus dem öffentlichen Raum. Köllner Stadt-Anzeiger

Die hier schreibende Schlampe hat leichte Schwierigkeiten, Schwarzers offenkundiges inneres Bild vom hohlen Macho-Migranten so zu erweitern, dass diese «jungen Algerier und Marokkaner» nun konspirative Aktionen zur Islamisierung des öffentlichen Raums unter Berücksichtigung der spezifischen Schwächen des westlich-aufgeklärten Männerbildes seit Rousseau planen. Aber ein Teil von mir hofft, in Schwarzers Alter auch noch so kreativ zu sein.


Die kritische Auseinandersetzung mit rechtspopulistischen Strömungen im Feminismus darf nicht zur Mißachtung der herausragenden Errungenschaften des Feminismus führen, und auch nicht zur Relativierung der immer noch bestehenden fundamentalen Ungerechtigkeiten, oder dem unermüdlichen Einsatz vieler fantastischer Frauen (und Männer) im Kampf gegen diese.

Falls Du Dich daher hier in Deinem Chauvismus bestärkt fühlen solltest, oder mich als Kronzeugin verwenden willst, hast Du schon wieder was nicht verstanden.

Außerdem: geh' Sterben!