Emma weniger Lust

Das zweitgrößte Problem der EMMA ist, wie lustlos und behäbig sie dieser Tage die selbstgerechten Thesen ihrer Gründerin zu verkaufen versucht. Und just in dieser Woche konnte man dies wundervoll beobachten.

Thema ist der 40. Geburtstag der Zeitschrift, die wirklich keinen Tag älter als 72 aussieht. Das ist sehr angenehm, denn so lassen Inkompetenz und/oder innere Kündigung sich ausnahmsweise losgelöst von der ideologischen Debatte betrachten.

Fast zeitgleich wurde beim Spiegel nämlich ebenfalls ein runder Geburtstag gefeiert. Zwei Magazine, identische Anlässe. Hier sind die Ergebnisse:

Jubiläums-Cover des SPIEGEL
Jubiläums-Cover der EMMA

Rhetorische Fragen: Wo wird man die spannendere Geschichte finden? Welcher Titel vermittelt besser die Botschaft, dass das Magazin bedeutend an den großen Debatten der Gesellschaft mitwirkt? Wird EMMA-Leserinnen nicht zugetraut, ein auch nur minimal tieferes Argument zu verstehen? Oder verrichtet die Kreativabteilung Dienst nach Vorschrift und bündelt die Aufmerksamkeit auf die Überarbeitung der Lebensläufe?

Neue Ideen sollte man aus Köln aber eher nicht mehr erwarten: 10 Jahre zuvor hatte man die gleiche fantastische Idee, eingeforderte Lobhudelei abzudrucken.

Und weil’s so schön ist, werfen wir noch einen keuschen Blick auf’s andere Schlachtgeschütz des gähnenden Nationalfeminismus:

Terre des Femmes wird gedankt. Von sich selbst, unter der manchmal harten, aber doch sicher immer fairen Anleitung der geschäftsführenden Gouvernante.

Die kritische Auseinandersetzung mit rechtspopulistischen Strömungen im Feminismus darf nicht zur Mißachtung der herausragenden Errungenschaften des Feminismus führen, und auch nicht zur Relativierung der immer noch bestehenden fundamentalen Ungerechtigkeiten, oder dem unermüdlichen Einsatz vieler fantastischer Frauen (und Männer) im Kampf gegen diese.

Falls Du Dich daher hier in Deinem Chauvismus bestärkt fühlen solltest, oder mich als Kronzeugin verwenden willst, hast Du schon wieder was nicht verstanden.

Außerdem: geh' Sterben!