Terre des Femmes allemandes

Auf der einen Seite eine Frau, die gegen die öffentliche Meinung, mit nur dem Grundgesetz unter’m Arm, eines der wichtigsten Freiheitsrechte für sich erstreitet.

Auf der anderen Seite Terre des Femmes, von «Segregation» fabulierend, mit pampiger AfD-Rethorik auf dem Weg zur falschen Seite der Geschichte.

So auf Facebook:

Wer ist hier gut integriert?

Fangen wir ganz sachlich an: Eine Erzieherin bekleidet kein öffentliches Amt – siehe zum BeispielWikipedia. Erzieherinnen sind nicht verbeamtet. Sie leisten keinen Eid auf den Staat; ihr Verhältnis zur Bundesrepublik Deutschland unterscheidet sich nicht von einem Mitarbeiter der Müllabfuhr.

Der Verweis auf das Neutralitätsgebot ist eine offensichtliche Beugung von Recht und Verstand. Wo war der Verein, als Papst Benedikt im Bundestag sprechen durfte? Wann lese ich die Pressemitteilung, die sich gegen die Finanzierung christlicher Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, oder gegen die Repräsentation von Glaubensgemeinschaften in den Gremien des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks ausspricht?

Wenn Terre des Femmes sich nun zum wiederholten Male auf der anderen Seite dieser Debatte als das Bundesverfassungsgericht wiederfindet, sollte einem das zu denken geben. Im Namen aller Frauen werden krude Ziele verfolgt, die nun erneut vom höchsten Gericht für verfassungswidrig erklärt wurden.

AfD und CSU haben inzwischen erkannt, dass sie die Rechte der Frauen für ihren populistischen Kreuzzug gegen alles Fremde verwenden können. Statt sich auf die Seite der Schwachen zu stellen, unterstützt die Geschäftsführung von Terre des Femmes diese Entwicklung, indem sie sich die Argumente zu Eigen macht und bestätigt.

Zurück zum Fall: überlegen wir kurz, was man über die Klägerin hier weiß: Dass diese eine erfolgreiche Klage bis zum Bundesverfassungsgericht vorantreibt ist bereits Beweis, dass die von Terre des Femmes verbreiteten Vorurteile hier nicht stimmen können: Sie ist nicht «unmündig» oder «unterdrückt», ganz im Gegenteil. Welch’ höheren Verdienst kann man als Staatsbürger erlangen, als diesen mühsamen Weg zu beschreiten?

Natürlich hat Sie auch eine Ausbildung abgeschlossen, Sie ist seit 10 Jahren Erzieherin. Berufstätig, unabhängig, verlässlich.

Mit welchem Recht, will Terre des Femmes dieser Frau Kleidungsvorschriften zu machen? Merkt da niemand, was falsch läuft, wenn man fordert, dass eine Frau wegen Ihrer Identität ihren Arbeitsplatz verlieren soll?

Nicht nur die Sache der Frauen mißbraucht Terre des Femmes für ihre durchschaubare Hasskampagne. Weil das nicht mehr auszureichen scheint, will man nun noch die Kinder vereinnahmen. Aber wie tief muss man sinken, um wahrhaftig zu glauben, dass diese Frau kein gutes Vorbild sei? Ist eine Frau, die selbstbestimmt, friedlich und erfolgreich ist; die jeden Tag wirklich für das Wohl der ihr anvertrauten Kinder arbeitet – ist sie nicht das bestmögliche Vorbild, dass wir unseren Kindern wünschen würden?

Die Position von TdF ist nur so zu verstehen, dass man gar kein Anzeichen für die Existenz anderer Religionen als der christlichen im öffentlichen Raum zu akzeptieren bereit ist. Es reicht nicht, wenn jemand die Sprache perfekt beherrscht, seinen Müll trennt und im Sportverein aushilft. Man fordert von «denen» die komplette Assimilierung, und selbst dann noch die komplette Unterwerfung. Denn so deutsch wie Terre des Femmes? Tja, das kann eine Muslima wohl niemals werden.


Die kritische Auseinandersetzung mit rechtspopulistischen Strömungen im Feminismus darf nicht zur Mißachtung der herausragenden Errungenschaften des Feminismus führen, und auch nicht zur Relativierung der immer noch bestehenden fundamentalen Ungerechtigkeiten, oder dem unermüdlichen Einsatz vieler fantastischer Frauen (und Männer) im Kampf gegen diese.

Falls Du Dich daher hier in Deinem Chauvismus bestärkt fühlen solltest, oder mich als Kronzeugin verwenden willst, hast Du schon wieder was nicht verstanden.

Außerdem: geh' Sterben!