Die islamische Weltverschwörung

Gestern teilte Terre des Femmes ganz offiziell auf Facebook diesen Beitrag. Bemerkenswert daran sind ausnahmsweise nicht krude, menschenverachtende Clichés über Muslime und Muslima.

Nicht falsch verstehen: der Artikel ist natürlich voll davon, und weiter unten werden diese auch dokumentiert. Neu hingegen ist, dass Terre des Femmes sich die passenden Hassquellen nun auch in den Banlieus des Internet zusammen zu suchen scheint. fischundfleisch.com scheint eine belanglose Abwurfzone für User-Generated Content ohne journalistischen Anspruch zu sein, verloren irgendwo zwischen Fake News und Gefühlter Wahrheit.

Zwar überwiegen die islamkritisch bis -feindlichen Beiträge, aber selbst das scheint eher dem Zufall geschuldet. Wenn man beim Hashtag #Rassenbeschreibung aufhorcht und Neonazis an Tastaturen vermutet, findet man stattdessen dies:

Vorwerfen muss man Terre des Femmes daher zuerst: Inkompetenz und Unprofessionalität. Wie soll Terre des Femmes an Fachdiskussionen teilnehmen oder als Stimme der Frauen im politischen Betrieb ernstgenommen werden, wenn sie in entweder hanebüchenem Versagen oder dreister Betrugsabsicht auf Quellen zurückgreifen, die Grundschüler sich nicht abzuliefern trauen würden?

Ach ja, das mit dem Hass, der Dummheit, Angst und spießigen Borniertheit

Eigentlich ist es überflüssig, Texte auf Seiten zu kritisieren, die gleich fünffach auf «#Meinungsfreiheit» oder «#Pressefreiheit» verweisen1.

Aber was soll’s. Hier die Argumentation, die Terre des Femmes sich zu Eigen macht. Mit Kommentaren zu den gröbsten Entgleisungen.

Ja, Erdogan hat es getan, eigentlich hat er es ja nicht alleine getan, denn er hat Millionen von Menschen hinter sich, die ihn unterstützen.

Sich im ersten Satz selbst widersprechen: geschenkt. Trotzdem schaffen, eine echte, verlässliche, journalistische Quelle zu zitieren? Unbezahlbar!

Jetzt wird wieder Scharia in der Türkei eingeführt.

Das ist offensichtlich falsch, wie zu erkennen ist, wenn man dem Link folgt und liest. Das türkische Parlament hat sich quasi selbst entmachten und dem Präsidenten die fast unbegrenzte Macht übertragen. Ohne Zweifel bedeutet dies zumindest vorerst die faktische Abschaffung der Demokratie in der Türkei. Es hat jedoch mit Scharia so wenig zu tun, wie die Ermächtigungsgesetze mit dem Papst.

Manchmal will ich nur lachen, wenn ich sehe, was da in der Türkei so abgeht.

Diesen Impuls muss man unterstützen. Nur Lachen ist wesentlich besser als Lachen und Schreiben. Oder Weinen und Schreiben. Oder vermutlich sogar Dehnen und Reden.

Weil solche wie ich immer schon gesagt haben, dass Religion bzw. Islam gefährlich sind, schon als Kind, und da dachten sich die Erwachsenen um mich herum, warum ich wohl keine Angst hatte, das zu sagen, mitten unter Türken.

Alternativthese: die Erwachsenen haben mit den Augen gerollt und ihren türkischen Freunden mit leichtem Lächeln konspiratorisch zugezwinkert.

Ich hatte Angst, ich habe Angst, aber manche entscheiden sich dennoch für die Wahrheit, egal, was die Konsequenzen dafür sind. Solche nennt man dann entweder verrückt, irre oder mutig. Manchmal muss man verrückt sein, um mutig zu sein. Das ist so ähnlich wie der Spruch von Che: Man muss realistisch sein und das Unmögliche versuchen.

Sorry falls ich bei der Selbstüberhöhung störe bevor jetzt noch die offensichtlichen Parallelen zwischen Autorin und Ghandi beschrieben werden. Aber ein großer (und autochthon deutscher) Philosoph hat auch mal gesagt: «Wenn es blöd aussieht, blöd riecht und ‘blöd’ dransteht, ist es vermutlich blöd».

Die Tatsache ist, dass Islamisierung bzw. islamistische Propaganda und mit ihr zusammenhängender islamistischer Terror eine global stattfindende Missionierung sind.

Ich bin ja auch nicht vom Fach, aber sind Missionare nicht meist in Überzeugungsmission unterwegs? Mir scheint, «der Islamismus» verspielt da eine krasse Marketingchance wenn ich bedenke, dass mich in 45 Jahren, darunter mehrere Monate in islamischen Ländern, nicht einmal jemand ansprach, und für den Islam gewinnen wollte. Ist vielleicht aussichtslos. Aber würde man es nicht zumindest mal probieren? Wenn’s nicht klappt, kann man mich ja immer noch damit überzeugen, sich auf einem irakischen Marktplatz in Mitten anderer Muslime in die Luft zu sprengen.

Jedes Mal, wenn eine Kopftuchträgerin auf die demokratischen Rechte Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit verweist, um Kritiker als islamophobe antimuslimische Rassisten hinzustellen, steckt islamistische Propaganda dahinter.

Wenn der Verweis auf Grundrechte jetzt der Beweis «islamistischer Propaganda» ist, sind Chemtrails dann nicht auch nur Marketing für die Aluindustrie?

Und wenn es fast überall in Europa irgendwelche Moscheen gibt, in denen Geschlechterapartheid als selbstverständliche Norm praktiziert wird und diese von Mitte links bis hin zu links außen mit falscher Toleranz akzeptiert wird, dann können wir uns sicher sein, dass wir alle untergehen werden und dass Erdogan in Kürze Krieg gegen Europa erklären wird.

Woha! Moment, das ging mir jetzt zu schnell. Also bei McDonald’s wird auf den Toiletten ja auch «Geschlechterapartheid» praktiziert und die Damen-Bundesliga, ja die erstmal! Wenn die Japaner jetzt nicht protestieren, wem wird #Gottkanzler Schulz dann in Kürze Krieg erklären, und darf der das überhaupt, so ohne Lehrerausbildung.

Ich kenne die Türkei, ich kenne die Absichten und die Denkweise der nationalistisch-islamistischen Türken, ich weiß, wovon ich rede. Es wird Krieg geben, keinen «psychologischen» Krieg, nein, richtigen Krieg mit Soldaten, Bodentruppen und Panzern. Ihr glaubt mir nicht? Wartet ab. Ihr werdet sehen, er wird’s tun, denn er braucht Krieg, in Syrien hat er seine Pläne nicht umsetzen können, aber um seine Herrschaft zu einzuzementieren, muss er irgendwelche Feinde haben, die er und sein braves „mutiges“ Volk bekämpfen können,

Ich lasse den Rest dieses sich ab hier in leicht echauffiert erscheinenden Endlossätzen verlierendem Text mal weg, denn Kritik daran kann man wirklich nur noch mit den Mitteln des Dadaismus üben. Zudem haben wir hier den Höhepunkt der Argumentation erreicht: Erdogan will Krieg weil immer gut für Zustimmungswerte. Selbst wenn man ignoriert, dass Erdogan ja gerade vor Machtfülle kaum laufen kann, und für ihn folgerichtig jeder andere Zeitpunkt besser gepasst hätte; und wenn man ignoriert, dass schon auf den ersten Seiten von Dictator for Dummies in einer gelben Warnbox steht: «Ein äußerer Feind stärkt den inneren Zusammenhalt. Man sollte sich jedoch dringend einen schwächeren Feind wählen, und wirklich nicht die NATO angreifen.»

Selbst dann ist dieses Argument schlicht (und) faul. Es lässt sich nämlich in völliger Be­lie­big­keit auf jeden Politiker jemals anwenden.

Sinn dieser Übung sollte auch nicht die Bloßstellung einer möglicherweise mit anderen Problemen kämpfenden Person sein. Sondern, im Grunde:

«Hey ihr! Ja, ihr von Terre des Femmes: wirklich?«



Die kritische Auseinandersetzung mit rechtspopulistischen Strömungen im Feminismus darf nicht zur Mißachtung der herausragenden Errungenschaften des Feminismus führen, und auch nicht zur Relativierung der immer noch bestehenden fundamentalen Ungerechtigkeiten, oder dem unermüdlichen Einsatz vieler fantastischer Frauen (und Männer) im Kampf gegen diese.

Falls Du Dich daher hier in Deinem Chauvismus bestärkt fühlen solltest, oder mich als Kronzeugin verwenden willst, hast Du schon wieder was nicht verstanden.

Außerdem: geh' Sterben!